Vorab:
Ich habe hier schon mal von einem ähnlichen Selbst-Test berichtet => allerdings ging es damals um ein 20 Jahre altes Single-Fin-Freewave-Board vs. einem modernen Freewaveboard mit Thruster-Set up.
Jetzt: => Treten 2 rel. moderne (kompakte) Freewave-Board-Konzepte gegeneinander an - einmal mit Thruster-Setup mit 20,5 Centerfinne und 9cm Side-Finnen - gegen eben ein Single-Fin-Board mit 23cm Singel-Fin. (Die Finnen sind ganz bewusst recht klein gehalten weil ich in der Regel ein hohes Manöverpotential bevorzuge und die Größe um 100l bei 91 Kg Gewicht meist eher im höheren Windbereich einsetze)
Die Probanden:
Thruster-Set-Up: Quatro Sphere-Thruster 99 L (237cm/62cm)
vs.
Single-Fin Windflüchter-Freewave 100 L (233cm / 62 cm)
forum.timeto.surf/attachment/11180/
Ein sehr gutes Wind-Wochenende brachte im Oktober in Süd-Istrien / Kroatien optimale Vergleichsmöglichkeiten über verschiedene Einsatzbedingungen.
Los geht`s !
Phase / Bedingungen 1 => Unterer Windbereich -Leichtwind, (5,9er 5-Latten Wave-Segel) => für die Boardgrößen um 14- 20 KN, gemäßigter Adria-Chop um max. 38,23cm
)
Quatro: Er mag es einfach nicht (ich bin ihn gar nicht gefahren in den Bedingungen der Phase 1 - ich kenne das Board schon recht lange ....) ... Große Segel (über 5,3m²) oder gar Windlöcher sind einfach unter seiner Würde - da hat er schnell keinen Bock mehr, alles unter 20 KN erachtet er als unwürdig - ein Affront ! - schließlich ist er mitten im Pazifik geboren (beim Keith) - da ging es nie um Angleiten oder gar durchgleiten - da gibt es einfach richtigen Wind. Zu seiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass wenn er dann mal angeglitten ist - beschleunigt er recht ordentlich vor sich hin ....kommt dann das Manöver allerdings im besseren "Halb-Gleiten" daher - will er perfekte Gewichtsverteilung und optimale Standposition sonst fällt er wahlweise aus dem Gleiten und/oder zieht einfach das letzte Viertel sehr eng, tief einschneidend mit seinen dünnen Kanten im Heck und der schon fast Gun-Artigen (wer kennt noch "Gun"-Shape-Boards (?) ...
) - Heckoutline.
Windflüchter:
Ganz anders der Windflüchter: Agil und hellwach setzt er sofort die etwas stärkeren Böen in Gleitzustand um - bringt den Bug konsequent nach oben ohne zu überdrehen und produziert damit ein geradezu filigranes Fahrgefühl - das Heck liegt früh sehr frei, die Beschleunigung ist überraschend eindeutig => der Top-Speed bei längst nicht "Limit- Bedingungen" für das Segel macht Laune. Der Carbon-Untersatz läuft schon auch bei eher kleinen chop recht dynamisch und eindeutig den "Untergrund vermittelnd" über das Geläuf. Aber auf Grund der grundsätzlich stabilen Kontrollsituation des Boards im Allgemeinen - noch unproblematisch.
Im Manöver zieht er nicht ganz so eng in die Kurve wie der Quatro - aber immer noch sehr drehfreudig - und punktet eben mit seiner höheren Eingangsgeschwindigkeit und der besseren Dynamik mit höheren Durchgleitwerten - signifikant.
Phase / Bedingungen 2: Hoher Windbereich. 26 - 35 KN, Segel 4,5er und 4,0er teilweise je bis Anschlag, Chop deutilch erhöht mit über den Tag bis ca. 1m. Teils auch recht steil und bockig und auch mit "Doppel-Chop-Situationen" da der Wind auch immer wieder ein wenig gedreht hat ...
Beide Boards wurden in den selben Bedingungen mit den selben Segeln gefahren.
Windflüchter: Der Vorteil vom Vortag dreht sich ganz eindeutig (für mich zumindest - mit den schon nicht mehr ganz taufrischen Gelenken
... ) in ein klares Defizit: Die Laufruhe ist quasi so gar nicht vorhanden. Die Fuhre voll unter power gesetzt übertreibt es mit der Dynamik deutlich - knallt mit hoher Geschwindigkeit zwar beeindruckend dahin, kennt aber auch kein dämpfendes Pardon. Der Carbon-Rumpf tut hier sein Übriges. Wenn man ein ruhiges "Wellental" findet - kann man zwar sahnig den Turn einleiten, auch verschneidet nichts - aber das überqueren des chops im weiteren Verlauf des turns - erfordert dann schon sehr agile Knie-Stossdämpfer um die Kurve geschmeidig zu Ende zu bringen. Belohnt wird man dafür aber auch mit hoher Ausgangsgeschwindigkeit ... allerdings immer irgendwie wie mit dem Eindruck ein Rennpferd mit Überdosis Energydrink über den Parkour zu bugsieren.
Quatro:
Überpower (?) - nicht sein Problem !: Völlig souverän auch bei härtesten Böen bleibt die Wasserlage satt - aber nicht träge. Sehr gut kontrollierbare, hohe Geschwindigkeit paart sich mit sehr guter Eigendämpfung. Angenehm, wenig ermüdend. Spielerisch setzt er dabei Lenk,- -Ausweichimpulse um ... oder bügelt die Buckelpiste einfach deutlich glatter .. und siehe da => mit hoher Grundgeschwindigkeit wird dann auch mal durch ein Windloch durchgeglitten ....)
Der Turn - so lange mit richtiger Fußposition eingeleitet wird stoisch-gelassen absolviert auch wenn eine ganze Herde kleiner Windwellen um Ihn herum aufgeregt auflaufen, kann man trotz fordernden Bedingung den Radius noch sehr Variantenreich wählen - bis zu sehr eng - ja Wave-Board-artig (!) . Da die Fahrkontrolle hoch ist kann man sich auch getrost dem Thema "Jump" widmen. (Wäre ich jetzt mit dem Windflüchter bei High-Wind nicht auf die Idee gekommen ...)
Fazit:
Der Windflüchter mit seinem Single-Fin Set up und seinem steifen wirklich sehr wertig verarbeiteten Rumpf ist das ideale Leichtwind-Wave und Bump and Jump Board => für eher leichte Surfer/Surferinnen -Gewichte (60 - 70 Kg) => sicher ein Traum bei gemäßigten Bedingungen Gleitstark und agil über das Wasser zu ballern oder sich im Leicht-Wind-Wellen-Revier ein paar Wellen vorzunehmen (allerdings könnte hier ein großer 4-Finner noch sinnvoller sein ...) High-Wind Bump an Jump mit deftigen chop und mit schweren Fahrer ist sicher nicht sein originärer Einsatzbereich.
Der Quatro bietet schlicht die größere Einsatzbandbreite - für mich, da eben der Aspekt des (plötzlichen !) High-Windeinsatzes - schwer wiegt. Ich möchte mich in straffen Bedingungen einfach nicht mehr zu sehr damit beschäftigen müssen, die Fuhre auf der richtigen Bahn zu halten.
Im Ergebnis - sind die Ergebnisse zugegebenermaßen nicht wirklich überraschend - dennoch habe ich nun klar für mich beschlossen, dass alle Boards mit Volumina unter 112 L - sicher Mehrfinnen-Boards sein werden.
(Natürlich im B&J - Bereich => Flachwasser und Slalom-Board fahren ist natürlich wieder etwas anderes.)