Ich glaube dieses Thema hatten wir noch nicht - oder?
Dass es einen dramatischen, menschengemachten Klimawandel gibt, und wir hier dringend aktiv bzw. aktiver werden müssen, setze ich mal als gegeben voraus (und fände eine Diskussion darüber auch eher mäßig spannend).
Klimawandel und Klimaschutz haben natürlich auch immer viel mit Alltagsverhalten bzw. Produktion zu tun - siehe z.B. Ernährung, Fast Fashion, Wegwerf-Handys ohne Reparaturoption usw. Entsprechend finde ich wichtig, auch bei unserem geliebten Windsport zu schauen, wie dieser denn möglichst klimafreundlich möglich ist.
Was wären hier vielleicht mögliche Stellschrauben?
Surfreisen
Die wenigsten von uns werden mit Fahrrad und Anhänger oder Zug in den Surfurlaub fahren: In der Regel fliegen wir oder fahren mit dem Camper oder mit dem Auto. Dass das enorm umweltschädlich ist ist uns allen bekannt, deswegen setzen wir hier jeweils Prioritäten und müssen das glaube ich hier nicht groß diskutieren.
Ein Punkt, den ich hier sehe, wäre höchstens die Verfügbarkeit von gutem, bezahlbarem Material am Urlaubsspot, so dass Material z.B. nicht mit dem Flieger transportiert werden muss bzw. - falls spotmäßig möglich - eine Anreise per Zug nicht ausgeschlossen ist.
Surfmaterial
Hier könnten wir sicher länger diskutieren, ich werfe mal eine These in den Raum: Jedes Board und jedes Segel, das nicht neu produziert wird, ist ein Gewinn für Umwelt und Klima (endliche Ressourcen, Energieverbrauch etc.). Deswegen ist auch sinnvoll, Material wirklich bis ans Ende seiner Lebensdauer zu nutzen. Ich glaube Recycling ist - soweit ich das weiss - bei Windsurf-Material bislang nicht besonders sinnvoll möglich.
Deswegen ist meiner Ansicht nach sinnvoll, grundsätzlich immer auch Gebrauchtmaterial in Erwägung zu ziehen. Natürlich gibts keinen Gebrauchtmarkt, wenn nicht auch Menschen neue Dinge kaufen die sie dann weiterverkaufen, schon klar.
Und natürlich spielen hier auch noch viele andere Dinge eine Rolle: Was ist mit Firmen, was ist mit Arbeitsplätzen, etc.? Aber das gilt sicher nicht nur für Surfboards, sondern grundsätzlich für Konsumprodukte aller Art.
Ein anderes Thema sind natürlich immer auch die Produktionsbedingungen, sozial und ökologisch: Welche Ressourcen können eingespart werden? Wo können ökologischere Materialien verwendet werden, etwa für Verpackungen? Landen die hochgiftigen Produktionsabfälle auf der nächsten ungesicherten Mülldeponie? Usw.
Hinter diesen Fragen stecken andere, größere Zusammenhänge: Brauchen wir kontinuirliches Wirtschafts- und entsprechendes Konsumwachstum? Wieviel Konsum erträgt die Erde, und wie kann - auch international - gerechter Konsum aussehen? Wie könnte eine Gesellschafts- und Wirtschaftsform aussehen, die nicht auf permanentes Wachstum setzt? Wenn nicht ungebremst produziert werden kann - wo soll eine Gesellschaft Schwerpunkte setzen? Bildung? Gesundheitsversorgung? Panzer? Surfboards?
Surfen und Autoverkehr
Das ist ein Thema, das mir am Herzen liegt, wo meiner Meinung nach einiges zu machen wäre und wozu mich auch Eure Meinung sehr interessiert.
Seit diesem Jahr können wir an meinem Homespot Müggelsee wieder Material einlagern. Die Lagerplätze sind günstig, heiß begehrt, direkt am Spot und bieten Platz für ca. 2 Boards, 4 Segel, und den restlichen Kram wie Masten, Gabeln und Zubehör. Seitdem ich hier am Spot wieder eine Box habe, bin ich kein Mal mehr mit dem Auto zum Surfen gefahren, sondern mit Öffentlichem Nahverkehr oder mit dem Fahrrad, und finde großartig, dass es diese Möglichkeit gibt.
Ich denke, günstige und gute Lagerplätze für privates Material direkt am Spot könnten nicht nur viel Sprit sparen, der nicht als Abgase in die Umwelt geblasen wird (bzw. Strom, der ja auch produziert werden muss), sondern das Windsurfen auch atttraktiver machen für Menschen die kein eigenes Auto haben. Auf dem Land oder in kleineren Städten mag das anders aussehen, aber hier in Berlin braucht man wirklich kein Auto, und auch immer mehr Menschen sind glücklich ohne eigenes Auto. Wie seht ihr das mit Lagerplätzen am Spot und einer möglichen Anreise mit Öffis oder Fahrrad?
Ich bin gespannt auf Anmerkungen. Ich kaufe Surfkram, aber auch Handys, Rechner usw. in der Regel gebraucht (nicht nur aus ökologischen, sondern auch - oder vor allem? - aus finanziellen Erwägungen). Ich versuche nicht zu fliegen, habe aber erst kürzlich eine 6-Monats-Reise mit dem VW-Bus gemacht. Klamotten kaufe ich ebenfalls oft gebraucht, trage sie aber eigentlich immer bis sie nicht mehr tragbar sind. Neos jedoch kaufe ich ich fast grundsätzlich neu, genauso wie Schuhe. Also - wie wohl immer - ein Leben voller Widersprüche...
Deswegen ist auch nicht Anliegen dieses Textes hier irgendwelche Menschen zu dissen, wir sind alle in Widersprüchen gefangen, handeln nie konsequent, müssen täglich oft eine Wahl treffen. Zum einen geht es um persönliches Handeln, aber eben auch um Strukturen, die Handlungsoptionen aufmachen. Wenn es keine Lagerbox bei uns am See gäbe wäre ich heute nicht mit dem Fahrrad gefahren sondern mit dem Auto... lieber einige Liter Sprit in die Luft blasen als einen tollen Surftag verpassen...